Vielleicht ist Hold’em auf kurze Sicht 90 Prozent Glück und 10 Prozent Können. Manchen mag das abschrecken, da er sich seines Einflusses beraubt sieht, doch in Wirklichkeit ist diese Verteilung optimal. Okay, kurzfristig kann man auch von schlechten Spielern so richtig vermöbelt werden. Doch der Profi steckt so etwas weg, denn er weiß: langfristig haben die Zocker keine Chance. Wenn ich eine Münze zehn mal werfe, dann ist es keineswegs verwunderlich, wenn neunmal „Zahl“ fällt und nur einmal „Kopf“. Werfe ich sie dagegen tausend mal, dann liegt die Verteilung vielleicht bei 550 zu 450, aber niemals bei 900 zu 100. Es ist dies das Gesetz der großen Zahl“. Auf lange Sicht erhalten alle die gleichen guten und schlechten Karten. Nur das reine Können entscheidet nun über Erfolg und Misserfolg. Langfristig ist Holdem daher 100 Prozent Können.
Käme dem Können auch kurzfristig mehr Bedeutung zu, so hätte dies desatröse Folgen für die Profis. Die schwachen Spieler würden vernichtend geschlagen werden und schließlich aufhören zu spielen. Die Profis wären bald unter sich und müssten nach einem neuen Beruf Ausschau halten. Die jetzige Verteilung ist optimal. Der Glücksfaktor „schützt“ die schlechten Spieler und beschert ihnen genügend Erfolgserlebnisse, so dass ihnen die Lust nicht vergeht. Viele Menschen machen sich ja auch etwas vor. Erfolge werden rückwirkend aufgebläht, Niederlagen verdrängt. So mancher „fühlt“, dass er ein Pari-Spieler ist, dabei zahlt er regelmäßig ein.
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